Wenn Politiker Großprojekte planen ….

Die Realisierung von Großinfrastrukturprojekten in der Bundesrepublik Deutschland hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine beispiellose öffentliche Debatte über die Leistungsfähigkeit von Staat und Wirtschaft ausgelöst. Während die Projekte Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) und das Bahnprojekt Stuttgart 21 (S21) zu Synonymen für Kostenexplosionen, massive Zeitverzögerungen und tiefgreifendes Managementversagen wurden, präsentiert sich das Terminal 3 des Frankfurter Flughafens als Gegenentwurf einer effizienten, privatwirtschaftlich geprägten Umsetzung. Die vorliegende Analyse untersucht die strukturellen, organisatorischen und prozessualen Unterschiede zwischen diesen drei Mammutprojekten. Dabei wird deutlich, dass das Scheitern des BER und die Krisen von Stuttgart 21 nicht auf mangelndes technologisches Know-how zurückzuführen sind, sondern auf fundamentale Fehler in der Governance, eine unzureichende Planungskultur und die fatale Verflechtung von politischen Interessen mit operativer Projektabwicklung.


Die Architektur des Scheiterns am Beispiel des BER

Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gilt als eines der eklatantesten Beispiele für das Versagen öffentlicher Bauherren in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Was als modernes Symbol für die wiedervereinigte Hauptstadt geplant war, mündete in eine 14-jährige Bauzeit mit einer Kostensteigerung von ursprünglich veranschlagten 2,5 Milliarden Euro auf über 6 Milliarden Euro. Die Ursachenforschung offenbart eine Kette von Fehlentscheidungen, die bereits in der Phase der Projektkonzeption ihren Anfang nahmen.

Das Management-Vakuum und der Verzicht auf Generalunternehmer

Eine der folgenreichsten Entscheidungen war der Verzicht auf einen Generalunternehmer. Nach dem Scheitern von Privatisierungsbemühungen in den frühen 2000er Jahren entschied sich die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB), die Steuerung des Baus in Eigenregie zu übernehmen. Dies führte zu einer Aufteilung des Projekts in über 50 Einzellose und Gewerke. Eine solche Zersplitterung erfordert eine exzellente und personell hochgradig spezialisierte Bauherrenorganisation, die in der Lage ist, die komplexen Schnittstellen zwischen den verschiedenen Firmen zu koordinieren. Die FBB verfügte jedoch weder über die notwendige Erfahrung noch über das ausreichende Personal für eine solche Herkulesaufgabe. In der Folge fehlte eine zentrale Instanz, die das technische und finanzielle Gesamtrisiko trug. Dies schuf eine Struktur, in der Probleme zwischen den Gewerken hin- und hergeschoben wurden, ohne dass eine finale Lösung herbeigeführt werden konnte.

Die Entrauchungsanlage als Symbol technischer Überforderung

Das technische Herzstück des Scheiterns war die Brandschutz- und Entrauchungsanlage. Die Planung sah vor, den Rauch im Brandfall nicht über das Dach abzuführen, sondern durch den Keller nach unten abzusaugen – ein Konzept, das die natürliche Thermik von Rauch ignorierte und eine immense Steuerungskomplexität erforderte. Während der Bauphase wurden zudem unzählige Planänderungen vorgenommen, die die Anzahl der Entrauchungsklappen und Ventilatoren vervielfachten. Berichten zufolge erhöhte sich die Anzahl der anzusteuernden Klappen etwa um den Faktor zehn. Diese „explosionsartige“ Zunahme der Komplexität überforderte die Softwaresteuerung und die Verkabelung vollständig. Da die Planung nicht abgeschlossen war, als der Bau bereits weit fortgeschritten war, mussten bereits fertiggestellte Bereiche wieder aufgerissen werden, was zu weiteren Verzögerungen und Kosten führte.

Politische Einflussnahme und die „unbewusste Projektlüge“

Die Governance-Struktur des BER war durch eine Übermacht politischer Akteure im Aufsichtsrat geprägt. Unter dem Vorsitz des damaligen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit war das Gremium weitgehend mit Spitzenpolitikern und Beamten besetzt, denen es an bautechnischem Sachverstand mangelte. Dies führte dazu, dass kritische Berichte über den tatsächlichen Baufortschritt entweder nicht verstanden oder aus politischem Opportunismus ignoriert wurden. Experten sprechen hier von der „unbewussten Projektlüge“: Man plante mit dem besten Szenario, um das Projekt politisch durchzusetzen, anstatt realistische Risiken einzukalkulieren. Die Fixierung auf medienwirksame Eröffnungstermine setzte das Management unter einen Druck, der zu überhasteten Entscheidungen und einer Verschleierung von Mängeln führte.

Kennzahl

Ursprüngliche Planung BER

Tatsächlicher Ausgang BER

Abweichung

Geplante Baukosten

2,5 Mrd. €

> 6,0 Mrd. €

+140 %

Geplante Bauzeit

2,5 Jahre

14 Jahre

+460 %

Eröffnungstermine

Juni 2012 (erste geplante Eröffnung)

Oktober 2020 (finale Eröffnung)

8 Jahre Verzug

Projektsteuerung

Eigenregie (FBB)

Krisenmanagement

-

Stuttgart 21: Geologische Risiken und gesellschaftliche Polarisierung

Stuttgart 21 (S21) stellt ein Bahnprojekt von europäischer Dimension dar, das den bestehenden Kopfbahnhof in einen tiefergelegten Durchgangsbahnhof umwandelt und die Anbindung an die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Ulm realisiert. Im Vergleich zum BER liegen die Probleme hier weniger in einer chaotischen Bauleitung als vielmehr in einer massiven Unterschätzung der geologischen Risiken und einer Krise der politischen Kommunikation.

Der Anhydrit als geotechnischer Albtraum

Die größte technische Herausforderung bei S21 ist der Tunnelbau durch Anhydrit-führende Gesteinsschichten. Anhydrit quillt bei Kontakt mit Wasser zu Gips auf und vergrößert dabei sein Volumen um bis zu 60 %. Dies kann einen enormen Druck auf die Tunnelschalen ausüben, der in anderen Projekten bereits zu Hebungen der Fahrbahn um einen Meter geführt hat. Kritiker warnten bereits früh vor diesem Risiko, doch die Deutsche Bahn argumentierte, man könne das Gestein „trocken“ durchbohren und durch Injektionen von Acrylatgelen abdichten. Die notwendigen technischen Anpassungen zur Beherrschung dieser Risiken trugen maßgeblich zur Verdopplung der Kosten von ursprünglich 4,1 Milliarden Euro auf über 8,2 Milliarden Euro (Stand 2018) und später über 11 Milliarden Euro bei.

Architektonische Komplexität und Prestigestreben

Ähnlich wie beim BER findet sich auch bei S21 ein Hang zu architektonischen Sonderlösungen, die die Komplexität und die Kosten in die Höhe treiben. Ein Beispiel sind die 28 Kelchstützen der Bahnhofshalle. Jede dieser Stützen ist ein Unikat mit einer extrem anspruchsvollen Geometrie, deren Schalung und Betonierung höchste Präzision erfordert. Solche „Leuchtturmprojekte“ priorisieren oft die Ästhetik vor der Funktionalität und Wirtschaftlichkeit, was den Spielraum für Fehler vergrößert.

Die Eskalation des Bürgerprotests

S21 wurde zum Kristallisationspunkt für den längsten Bürgerprotest in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Ablehnung speiste sich aus verschiedenen Quellen: der Zerstörung von Teilen des Schlossgartens, der Sorge um das Stuttgarter Mineralwasser und den rasant steigenden Kosten. Der „Schwarze Donnerstag“ im September 2010 markierte einen Tiefpunkt der Auseinandersetzung, als ein Polizeieinsatz gegen Demonstranten eskalierte. Erst das Schlichtungsverfahren unter Heiner Geißler und eine spätere Volksabstimmung konnten den Konflikt formal befrieden, auch wenn die Proteste bis heute anhalten. Die Volksabstimmung ergab zwar eine Mehrheit für das Projekt, doch der zeitliche Verzug durch die Blockaden und juristischen Prüfungen war bereits immens.

Kostenentwicklung Stuttgart 21

Zeitpunkt

Betrag

Machbarkeitsstudie

1994

ca. 2,4 Mrd. € (umgerechnet)

Baubeginn

2010

4,1 Mrd. €

Revision Aufsichtsrat

2018

7,6 - 8,2 Mrd. €

Aktueller Stand

2024

> 11,4 Mrd. €

Terminal 3 Frankfurt: Das Erfolgsmodell privater Steuerung

Im Gegensatz zu den staatlich dominierten Projekten in Berlin und Stuttgart wird das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen als eines der größten privat finanzierten Infrastrukturprojekte Europas realisiert. Die Fraport AG hat hierbei Ansätze gewählt, die die typischen Fehlerquellen von Großprojekten systematisch ausschließen.

Die Strategie der modularen Planung

Ein wesentlicher Unterschied zu den anderen Projekten ist die modulare Bauweise des Terminals 3. Das Projekt ist in verschiedene Bauabschnitte unterteilt (Flugsteige G, H und J), die unabhängig voneinander fertiggestellt und bei Bedarf auch früher oder später in Betrieb genommen werden können. Diese Flexibilität erlaubte es Fraport, den Flugsteig G bereits im Jahr 2020 baulich fertigzustellen, ihn dann aber aufgrund der durch die Pandemie gesunkenen Passagierzahlen in einen Stand-by-Modus zu versetzen. Während beim BER eine Verzögerung in einem Teilbereich das gesamte System lahmlegte, kann in Frankfurt jedes Modul für sich funktionieren.

Professionalisierung durch die FAS GmbH und externe Partner

Fraport hat für die Realisierung eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, die Frankfurt Ausbau Süd GmbH (FAS), die sich ausschließlich auf das Management des Terminalneubaus konzentriert. Diese Gesellschaft agiert mit einer unternehmerischen Logik und klaren Verantwortlichkeiten. Für das Baumanagement wurde zudem mit Drees & Sommer ein hochspezialisiertes externes Unternehmen beauftragt, das über umfassende Erfahrung in der Steuerung von Großprojekten verfügt.

Die Kooperation ist geprägt von einer engen räumlichen Verzahnung: Im sogenannten „Container Castle“, einem Bürokomplex direkt auf der Baustelle, arbeiten die Projektleiter von Fraport, Drees & Sommer sowie die bauausführenden Firmen Tür an Tür. Dies ermöglicht extrem kurze Entscheidungswege und eine sofortige Reaktion auf auftretende Probleme. Ein wöchentlicher Austausch zwischen Einkauf, Controlling und Projektleitung stellt sicher, dass technische, rechtliche und finanzielle Aspekte stets synchronisiert sind.

Risikomanagement und wirtschaftliche Vergabe

Beim Terminal 3 wird ein striktes Vergabemanagement praktiziert, das über die bloße Auswahl des billigsten Anbieters hinausgeht. Unternehmen müssen nachweisen, dass sie wirtschaftlich stabil sind und über die notwendigen personellen Kapazitäten verfügen, um einen Auftrag in der vorgesehenen Zeit abzuwickeln. Zudem wurde das Projekt in handhabbare Pakete unterteilt, was den Koordinationsaufwand überschaubar hält.

Ein entscheidender Punkt ist die frühzeitige Einbindung der Behörden. Fraport hat bereits während der Bauphase eng mit der Bauaufsicht und der Feuerwehr zusammengearbeitet, um Brandschutzsysteme kontinuierlich abnehmen zu lassen. So konnte vermieden werden, dass am Ende des Baus Mängel festgestellt werden, die eine Eröffnung blockieren. Die behördliche Abnahme des Brandschutzes für Terminal 3 erfolgte bereits im Jahr 2025, weit vor der geplanten Eröffnung im April 2026.

Projektdaten Terminal 3 Frankfurt

Status / Details

Finanzierung

Privat (Fraport AG)

Investitionsvolumen

ca. 4 Mrd. €

Kapazität (Phase 1)

19 Mio. Passagiere pro Jahr

Bauzeitraum

2015 - 2026

Modularität

Flugsteige G, H, J einzeln realisierbar

Projeksteuerung

FAS GmbH & Drees & Sommer

Wesentliche Unterschiede in der Projektsteuerung

Der Vergleich zwischen den drei Projekten macht deutlich, dass die Unterschiede in der Erfolgsbilanz auf systemischen Faktoren beruhen. Diese lassen sich in den Bereichen Governance, Planung und Risikokultur zusammenfassen.

Governance: Experten vs. Politiker

Eines der zentralen Probleme bei staatlichen Großprojekten ist die Besetzung der Aufsichtsgremien. Beim BER bestand der Aufsichtsrat fast ausschließlich aus Politikern, die oft andere Prioritäten hatten als die technische Überwachung. In Frankfurt hingegen wird der Aufsichtsrat der Fraport AG nach aktienrechtlichen Kriterien besetzt; er besteht aus Fachleuten, die über wirtschaftliche und operative Expertise verfügen. Während Politiker dazu neigen, Risiken zu verschweigen, um ihre Wiederwahl nicht zu gefährden, sind private Aufsichtsräte gesetzlich verpflichtet, die Geschäftsführung kritisch zu überwachen und Fehlentwicklungen offenzulegen.

Planungsdisziplin: „First Plan, Then Build“

Ein zweiter entscheidender Faktor ist die Planungsreife. In Frankfurt wurde das Projekt Terminal 3 über 15 Jahre lang vorbereitet, inklusive umfangreicher Mediationsverfahren mit der Region. Erst als Baurecht bestand und die Planung weitgehend abgeschlossen war, wurde mit dem Erdaushub begonnen. Beim BER und bei Stuttgart 21 hingegen wurde oft unter politischem Zeitdruck mit dem Bau begonnen, während wichtige Details der Ausführungsplanung noch offen waren. Dies führt unweigerlich zu teuren Umplanungen während der Bauphase, die den Baufluss stören und die Kosten in die Höhe treiben.

Risikokultur und Fehlerumgang

In privatwirtschaftlich geführten Projekten wie dem Terminal 3 herrscht eine andere Fehlerkultur. Da das finanzielle Risiko bei der Gesellschaft liegt, gibt es einen starken Anreiz, Probleme frühzeitig zu identifizieren und zu lösen. Das Nachtragsmanagement ist hier ein professionelles Instrument, um Änderungen transparent abzuwickeln. Bei staatlichen Projekten wird das Budget oft als politische Setzung betrachtet. Kostensteigerungen werden so lange wie möglich geheim gehalten, was dazu führt, dass notwendige Kurskorrekturen erst vorgenommen werden, wenn es bereits zu spät ist.

Wie der Staat Großprojekte zukünftig besser steuern kann

Die Lehren aus den analysierten Projekten sowie die Empfehlungen der Reformkommission Bau von Großprojekten weisen den Weg zu einer grundlegenden Reform der staatlichen Baukultur.

Institutionalisierung von Bauherrenkompetenz

Der Staat muss seine Rolle als Bauherr professionalisieren. Es wird empfohlen, spezialisierte Projektgesellschaften oder Kompetenzzentren zu schaffen, die über das notwendige Fachwissen verfügen. Diese Organisationen sollten weitgehend unabhängig von direkter politischer Einflussnahme agieren. Ein Vorbild könnte die britische Infrastructure and Projects Authority (IPA) sein, die Großprojekte des Staates systematisch überwacht und nur dann Mittel freigibt, wenn bestimmte Meilensteine erreicht sind.

Konsequente Anwendung von „Erst planen, dann bauen“

Es muss ein gesetzlicher oder haushalterischer Standard werden, dass mit der Bauausführung erst begonnen werden darf, wenn eine Ausführungsplanung vorliegt, die detaillierte Angaben zu Kosten, Zeit und Risiken enthält. Teilbaugenehmigungen sollten nur dann erteilt werden, wenn es sich um vollständig abtrennbare Teilprojekte handelt. Dies verhindert den fatalen „Domino-Effekt“ von Planungsänderungen während der Bauphase.

Nutzung digitaler Methoden (BIM)

Die Digitalisierung des Bauwesens bietet mit Building Information Modeling (BIM) ein mächtiges Werkzeug, um Planungssicherheit zu erhöhen. Ein digitaler Zwilling des Gebäudes erlaubt es, alle Schnittstellen zwischen den Gewerken bereits am Computer zu testen, bevor sie physisch realisiert werden. Der Staat sollte die Nutzung von BIM bei allen Projekten ab einer bestimmten Größenordnung zwingend vorschreiben.

Reform des Vergabewesens

Das Ziel der Vergabe sollte der wirtschaftlichste Bieter sein, nicht der billigste. Es müssen Kriterien eingeführt werden, die die Qualität der Planung, die Erfahrung des Teams und die Realitätsnähe der Kostenkalkulation stärker gewichten. Partnerschaftliche Vertragsmodelle, bei denen Bauherr und Bauunternehmen gemeinsam an der Lösung von Problemen arbeiten, sollten die traditionellen, oft konfrontativen Vertragsstrukturen ersetzen.

Transparente Kommunikation und Bürgerbeteiligung

Die Akzeptanz von Großprojekten hängt maßgeblich von einer ehrlichen Kommunikation ab. Risiken und Kosten müssen von Anfang an transparent dargestellt werden, anstatt sie politisch schönzurechnen. Eine frühzeitige und ernsthafte Bürgerbeteiligung, die bereits in der Phase der Bedarfsplanung beginnt, kann dazu beitragen, Konflikte rechtzeitig zu erkennen und Lösungen im Konsens zu finden. Die „Politik des Gehörtwerdens“, wie sie nach Stuttgart 21 in Baden-Württemberg eingeführt wurde, ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Kluft zwischen Bürgern und Großprojekten zu schließen.

Strategische Empfehlung

Umsetzungsschritte

Erwarteter Nutzen

Governance-Reform

Besetzung von Aufsichtsräten mit externen Experten statt Politikern

Objektive Kontrolle und Reduzierung politischer „Projektlügen“

Verbindliche Planung

Auszahlungsstopp für Baumittel bis zum Vorliegen der Ausführungsplanung

Vermeidung von Kostensteigerungen durch Planungsänderungen

Digitale Standards

Einführung von BIM als Standard für Infrastrukturprojekte

Frühzeitige Fehlererkennung und verbesserte Koordination der Gewerke

Partnerschaftliche Verträge

Nutzung von Allianz-Verträgen und Early Contractor Involvement

Reduzierung von Rechtsstreitigkeiten und gemeinsame Risikobewältigung

Transparenzpflicht

Regelmäßige, öffentliche Berichte durch unabhängige Prüfinstanzen (IPA-Modell)

Stärkung des Vertrauens der Bürger und frühzeitiges Gegensteuern

Zusammenfassung und Ausblick

Der Vergleich zwischen dem BER, Stuttgart 21 und dem Terminal 3 in Frankfurt zeigt deutlich, dass die Fähigkeit zur erfolgreichen Realisierung von Großprojekten untrennbar mit der Qualität der organisatorischen Strukturen und der planerischen Disziplin verbunden ist. Während staatliche Projekte oft an der Schnittstelle zwischen Politik und Technik scheitern, beweist die privatwirtschaftliche Steuerung des Terminal 3, dass Mammutaufgaben in Deutschland termingerecht und im Kostenrahmen bewältigt werden können, wenn Professionalität über Prestige gestellt wird.

Für die Zukunft muss der Staat die Rolle des „intelligenten Bauherrn“ neu definieren. Dies bedeutet nicht notwendigerweise, dass der Staat weniger bauen sollte, sondern dass er die Art und Weise, wie er baut, grundlegend ändern muss. Weg von politisch motivierten Setzungen, hin zu einer evidenzbasierten Planung und Steuerung. Die Werkzeuge hierfür liegen mit den Empfehlungen der Reformkommission und digitalen Methoden wie BIM bereit. Es fehlt primär an der politischen Entschlossenheit, die Kontrolle über Großprojekte aus den Händen der Politik in die Hände von Experten zu legen. Gelingt dieser Kulturwandel, kann Deutschland seine Position als führender Technologiestandort auch im Bereich der Infrastruktur zurückgewinnen und Projekte realisieren, die nicht länger als Warnbeispiele, sondern als Vorbilder für Effizienz und Fortschritt dienen.


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