Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Baumarkt und fühlen sich wie ein Gewinner. Mark, 45, zweifacher Vater und Hausbesitzer, geht es genau so. Er liest die Schlagzeile vom 24. Februar 2026: „Heizungsgesetz abgeschafft!“. Endlich hat die Politik ein Wort gehalten. Die starre 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien ist weg. Mark darf seine alte Gasheizung einfach gegen eine neue tauschen. Er spart heute 20.000 Euro gegenüber einer Wärmepumpe. Ein Hoch auf die „Technologieoffenheit“!
Mark kauft sich zur Feier des Tages eine neue Gastherme. Er denkt, er hat das System besiegt. Was er nicht merkt: Er hat gerade einen Vertrag unterschrieben, bei dem die Nebenkosten von einem unsichtbaren Barkeeper im Minutentakt erhöht werden.Die Bio-Treppe: Champagner im Tank
Der erste Haken am neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) trägt den harmlosen Namen „Bio-Treppe“. Mark darf zwar Gas verbrennen, aber ab 2029 müssen 10 % davon „grün“ sein. Bis 2040 steigt dieser Anteil steil an. Klingt ökologisch, ist aber ökonomisch so, als würde Mark seinen alten VW mit 50-jährigem Whisky betanken. Biomethan ist knapp, wird in der Industrie händeringend gebraucht und ist sündhaft teuer. Experten warnen: Diese Quote könnte die Heizkosten über drei bis vier Jahre um bis zu 40 % in die Höhe treiben. Mark hat sich die Freiheit erkauft, den teuersten Brennstoff des Marktes nutzen zu müssen.
Die Todesspirale: Wer zuletzt das Licht ausmacht
Während Mark sich über seine günstige Therme freut, ziehen seine Nachbarn nach und nach aus dem Gasnetz aus. Einer nach dem anderen wechselt zur Wärmepumpe oder Fernwärme. Und hier schnappt die Falle zu: Die Kosten für die Instandhaltung des riesigen Gasnetzes unter der Straße bleiben gleich, müssen aber von immer weniger Köpfen bezahlt werden.
Man nennt es die „Todesspirale der Gasnetze“. In Regionen wie dem Saarland oder Thüringen steigen die Netzentgelte 2026 bereits um über 20 %. In Pforzheim sind es sogar absurde 38 %. Mark zahlt also nicht nur für das teure Gas, sondern auch immer mehr für das Privileg, dass das Rohr zu seinem Haus überhaupt noch existiert. Er ist der Gast, der am Ende des Abends die Zeche für den gesamten Tisch zahlen muss, weil alle anderen sich schon durch das Fenster verdrückt haben.
Das Mannheim-Szenario: Wenn das Rohr plötzlich leer ist
Aber es kommt noch dicker. In Städten wie Mannheim plant der Versorger MVV bereits das Undenkbare: Die vollständige Stilllegung des Gasnetzes bis 2035. Das ist in nur neun Jahren. Wenn Marks neue Therme dann in ihrer Blütezeit ist, könnte sein Versorger einfach den Hahn zudrehen, weil der Betrieb der Rohre „wirtschaftlich unzumutbar“ geworden ist. Mark steht dann vor einem 15.000-Euro-Schrotthaufen in seinem Keller.
Warum die Eile? Ostern als Deadline
Die Politik hat es eilig. Das Gesetz soll bis Ostern durch das Kabinett und vor dem 1. Juli 2026 in Kraft treten. Warum dieser Sprint? Kritiker sagen, es gehe darum, die „Freiheit“ schnell zu besiegeln, bevor die Bürger die langfristigen Kostenrechnungen verstehen.
Mark wird klar: Die Politik hat ihm die Wahl gelassen, aber sie hat ihn nicht gewarnt. Die „Technologieoffenheit“ im Gesetz ist kein Freifahrtschein in die Vergangenheit, sondern eine Einladung zum finanziellen Risiko. Wer 2026 blind eine Gasheizung einbaut, weil es heute „billig“ ist, ignoriert die ökonomischen Einschläge, die bereits am Horizont zu sehen sind.
Wahlversprechen wurden gehalten – aber die Rechnung zahlen Sie.
Anhang: Strategische Fakten und Risiken zum GMG 2026
Dieser Anhang dient als Faktencheck, um die Warnungen der Geschichte mit harten Daten zu untermauern.
1. Die Bio-Treppe: Der schleichende Preisschock
Das GMG ersetzt die 65%-Pflicht durch eine Beimischungsquote für Neuanlagen ab 2029.
Ab 1.1.2029: Mindestens 10 % klimafreundliche Brennstoffe (Biomethan, Wasserstoff etc.).
Bis 2040: Stufenweiser Anstieg in drei noch festzulegenden Schritten.
Kostenrisiko: Biomethan-Vollversorgung könnte die Heizkosten um 5,5 bis 11 Cent pro kWh verteuern (bis zu 2.200 € Mehrkosten jährlich für ein EFH).
2. Netzentgelte: Die regionale Belastungswelle
Während die Stromnetzentgelte 2026 durch staatliche Zuschüsse (6,5 Mrd. €) sinken, explodieren die Gasnetzkosten regional massiv.

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